Warum wirkt mein Medikament plötzlich anders?

Sie nehmen Ihr Medikament schon seit Monaten oder sogar Jahren. Immer gleich. Und plötzlich haben Sie das Gefühl: Irgendetwas ist anders.

Der Blutdruck ist ungewohnt niedrig. Die Tablette scheint stärker zu wirken. Der Magen reagiert empfindlicher. Sie fühlen sich müde oder schwindelig. Oder umgekehrt: Ein Medikament scheint nicht mehr so zuverlässig zu helfen wie bisher.

Kann das sein?

Ja. Denn ein Medikament wirkt nicht für sich allein. Was wir essen und trinken, welche anderen Präparate wir einnehmen und manchmal sogar wann wir eine Tablette nehmen, kann eine Rolle spielen.

Genau deshalb lohnt sich gelegentlich ein Blick auf die gesamte Medikation – und nicht nur auf die einzelne Packung.

Das Medikament ist dasselbe. Aber drumherum hat sich etwas verändert.

Wenn ein Arzneimittel plötzlich anders zu wirken scheint, ist eine der ersten Fragen:

Was hat sich in letzter Zeit verändert?

Das muss gar nichts Spektakuläres sein. Vielleicht nehmen Sie seit einigen Wochen ein zusätzliches Präparat. Vielleicht trinken Sie morgens jetzt einen anderen Saft. Vielleicht nehmen Sie Magnesium, Calcium oder Eisen. Vielleicht hat sich Ihre Frühstückszeit verschoben oder ein neues rezeptfreies Medikament ist hinzugekommen.

Und manchmal verändert sich auch der Körper selbst.

1. Ein neues Medikament ist dazugekommen

Je mehr Medikamente gleichzeitig eingenommen werden, desto wichtiger wird das Zusammenspiel der Wirkstoffe.

Ein neues Arzneimittel kann die Wirkung eines anderen verstärken oder abschwächen. Das gilt nicht nur für verschreibungspflichtige Medikamente. Auch Schmerzmittel, Erkältungspräparate oder andere Mittel, die man ohne Rezept kauft, gehören deshalb auf die persönliche Medikamentenliste.

Unser Tipp: Wenn Sie unsicher sind, bringen Sie einfach alles mit, was Sie regelmäßig oder gelegentlich einnehmen.

2. Auch Nahrung kann mitreden

Ein bekanntes Beispiel ist die Grapefruit. Ihre Inhaltsstoffe können bei bestimmten Arzneimitteln deren Abbau oder Aufnahme beeinflussen. Das betrifft beispielsweise einige Medikamente gegen erhöhten Blutdruck oder erhöhte Cholesterinwerte.

Aber Grapefruit ist nicht das einzige Beispiel.

Auch Milch und calciumhaltige Lebensmittel können bei bestimmten Arzneimitteln eine Rolle spielen. Einige Antibiotika oder Schilddrüsenmedikamente beispielsweise sollten nicht einfach zusammen mit calciumreichen Lebensmitteln oder Getränken eingenommen werden.

Das bedeutet nicht, dass Sie nun bei jeder Tablette Ihren Speiseplan hinterfragen müssen. Es zeigt aber, warum der Hinweis „vor dem Essen“, „zum Essen“ oder „mit Abstand zu …“ durchaus wichtig sein kann.

3. „Das ist doch nur ein Nahrungsergänzungsmittel …“

Diesen Satz hören wir in der Apotheke häufiger.

Vitamine, Mineralstoffe und pflanzliche Präparate werden oft nicht als Teil der Medikation wahrgenommen. Schließlich hat man sie vielleicht selbst gekauft und sie wurden nicht ärztlich verordnet.

Trotzdem können auch solche Präparate für die Beurteilung von Wechselwirkungen relevant sein.

Deshalb möchten wir bei einer Medikationsberatung auch wissen, ob Sie beispielsweise Magnesium, Calcium, Eisen, Vitamine oder pflanzliche Präparate einnehmen.

Am besten betrachten wir alles zusammen.

4. Morgens, mittags, abends – ist das wirklich so wichtig?

Manchmal ja.

Bei manchen Arzneimitteln spielt der Abstand zu einer Mahlzeit eine Rolle, bei anderen der Abstand zu einem weiteren Medikament. Manche sollen möglichst regelmäßig zum gleichen Zeitpunkt eingenommen werden.

Aus „morgens“ wird im Alltag allerdings schnell einmal:

Montags um sieben Uhr, sonntags um zehn – und im Urlaub irgendwann nach dem Frühstück.

Das muss nicht automatisch problematisch sein. Aber wenn Sie Ihre Gewohnheiten verändert haben und gleichzeitig eine veränderte Wirkung bemerken, ist auch der Einnahmezeitpunkt einen Blick wert.

5. Herbstzeit ist Erkältungszeit

Mit den kühleren Tagen kommen häufig wieder Husten, Schnupfen und Halsschmerzen – und damit zusätzliche Medikamente.

Nasenspray, Hustenmittel, Schmerztabletten oder ein Erkältungspräparat aus der Hausapotheke werden oft nur für wenige Tage verwendet und deshalb gar nicht als „richtige Medikation“ wahrgenommen.

Gerade diese zusätzlichen Präparate sollte man aber mitdenken, wenn bereits regelmäßig Medikamente eingenommen werden.

Und das gilt ebenso für ein Präparat, das noch vom letzten Winter im Arzneischrank liegt: Nicht einfach automatisch wieder einnehmen, nur weil es damals geholfen hat.

6. Und was ist mit Flüssigkeit?

Auch der Flüssigkeitshaushalt kann eine Rolle spielen – besonders bei älteren Menschen oder wenn bestimmte Medikamente eingenommen werden.

Im Hochsommer ist das besonders offensichtlich. Aber auch im Herbst wird manchmal schlicht weniger getrunken, weil das Durstgefühl nachlässt. Gleichzeitig beginnt wieder die Heizperiode.

Unser Sommer-RosenRat zu „Medikamente & Hitze“ hatte deshalb einen guten Grund. Das Thema endet aber nicht automatisch mit dem letzten heißen Tag.

Wenn Ihnen etwas anders vorkommt: nicht selbst herumprobieren

Wenn Sie den Eindruck haben, dass ein Medikament plötzlich stärker, schwächer oder einfach anders wirkt als gewohnt, sollten Sie die Dosierung nicht eigenmächtig verändern oder ein verordnetes Medikament absetzen.

Viel hilfreicher ist eine kleine Bestandsaufnahme:

Was nehme ich aktuell ein? Was ist neu dazugekommen? Hat sich bei Ernährung, Nahrungsergänzung, Einnahmezeit oder Tagesablauf etwas verändert?

Genau dabei können wir Ihnen helfen.

Unser RosenRat

Bringen Sie uns bei Gelegenheit Ihren aktuellen Medikationsplan mit – oder schreiben Sie auf, was Sie tatsächlich einnehmen.

Und mit „tatsächlich“ meinen wir wirklich alles: verordnete Medikamente, selbst gekaufte Arzneimittel, Vitamine, Mineralstoffe und pflanzliche Präparate.

Wir schauen gemeinsam darauf.

Denn manchmal liegt die entscheidende Information nicht in einer einzelnen Packung – sondern im Zusammenspiel mehrerer kleiner Dinge.

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